Lesematerial für diejenigen, die das Campingleben lieben

Durch unsere tolle Zusammenarbeit mit Norsk Bobil og Caravan Club dürfen wir spannende Artikel veröffentlichen, die in Ihrer Mitgliederzeitschrift erscheinen. Die Artikel von NBCC werden erst einige Zeit nach der Verteilung des Mitgliedermagazins digital verfügbar sein. Die Mitgliederzeitschrift und eine Reihe weiterer Vorteile können Sie sich bequem per sichern Werden Sie für Sie mit einem Wohnmobil oder Wohnwagen Mitglied in Norwegens größter und ältester Interessenvertretung.

Von: Willem Laros
Caravan und Caravan Magazin, Nr. 3 Juni 2022

Der Komponist, der die Welt in seinen Bann zog: Ludwig van Beethoven ist Bonn

Wer Ludwig van Beethoven sagt, sagt Bonn. Ja, natürlich auch Wien, aber vor allem Bonn. Das verschlafene Städtchen am Rheinufer war von 1949 bis 1990 Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland und bis 1999 ganz Deutschlands. Außerdem war die Stadt Geburtsort eines der größten Komponisten der Geschichte, dessen Werke alle aufgeführt werden auf der ganzen Welt bis heute

Der Komponist der berühmten Fünften Symphonie (ta ta ta taaa), der Neunten Symphonie mit ihrem beeindruckenden Schlusschor (auch die Europahymne), der tränenreichen Mondschein-Sonate, Klavierkonzerten und vielem mehr wurde am 16. Dezember in Bonn geboren 17, 1770. In dem Haus, das heute zum Museum Beethoven-Haus gehört und die größte Sammlung von Originalhandschriften des eigensinnigen Komponisten beherbergt.

Jubiläumsjahr

Das Jahr 2020 soll daher ein festliches Beethoven-Jubiläumsjahr werden. Aber eine gefälschte Notiz warf einen Schraubenschlüssel ins Getriebe: COVID-19. Aber im Jahr darauf fuhren wir doch nach Bonn. Sie müssen bereit sein, etwas für Beethoven zu tun. Nun, das Geburtsdatum von Ludwig ist nicht ganz sicher. Die Kindersterblichkeit war damals hoch, daher wurden Babys so schnell wie möglich getauft. Möglicherweise wurde der kleine Ludwig an seinem Geburtstag (dem 17.) getauft, aber vielleicht war er sowieso schon einen Tag früher da. Aber unabhängig davon ist Beethoven mit seiner überragenden Position in klassischen Musikerlebnissen der Erinnerung wert.

Camping Einrichtungen

Uns wird von der Landesvertretung NRW empfohlen, den Wohnwagen auf dem Campingplatz Ludwig-Erhard-Allee abzustellen. Es kostet nichts, aber wir schließen daraus: Da ist auch nichts - außer ziemlich viel Verkehrslärm. Wir entscheiden uns daher für den Komfort eines anderen Campingplatzes: Genienau, knapp 13 km mit dem Rad entfernt – eine traumhafte Fahrt entlang des Rheins von der Bonner Innenstadt. Das kürzlich aktualisierte GPS von TomTom Camper will uns auf eine zu enge Straße schicken, deren Betreten verboten ist. Dieser Fehler wiederholt sich ein paar Tage später, wenn wir losfahren, also traue dem Navigationssystem niemals ganz. Glücklicherweise bietet Google Maps auf Ihrem Telefon eine Lösung. Wie haben wir das gemacht, als wir nur eine Karte auf dem Schoß hatten?

Digitale Herausforderungen

Der Campingplatz ist nur durch einen Radweg vom Rhein und dem breiten Rheinufer getrennt und hat keine abgegrenzten Stellplätze. Sie können dort stehen, wo Platz ist. Gleich nach dem Eingang sehen wir eine große Terrasse, eine Bar und eine Holzhütte, wo man Essen bestellen kann (Salate, Flammkuche, Pizza). Bezahlt werden kann nur in bar, hier hat sich die Verwendung von PIN-Codes noch nicht durchgesetzt. Später, in der Bonner Innenstadt, wird das auch für uns ein Problem sein. In einem Restaurant können wir unser Mittagessen nur bar bezahlen, „weil unser Automat keine ausländischen Bankkarten akzeptiert“. Zum Glück gibt es auf der anderen Straßenseite einen Geldautomaten... Deutschland hinkt in Europa digital weit hinterher, das merken wir wieder. Selbst die 4G-Verbindung wird vielerorts noch höflich als „mäßig“ bezeichnet. Glücklicherweise machen die Landschaft, das Essen, der Milchkaffee, die Deutschen und natürlich Beethoven fast alles aus.

Späte Öffnung

Als wir an einem Sonntagmorgen um halb zehn in der Bonner Innenstadt ankommen und unsere Fahrräder an einen der vielen Fahrradständer gekettet haben, gelingt es uns nicht, eine der leckeren "Vasen" Milchkaffee zu ergattern. Erst ab zehn Uhr werden wir auf drei scheinbar "offenen" Terrassen benachrichtigt. Aber zu diesem Zeitpunkt haben wir einen Termin mit Frau Becks, die uns zwei Stunden lang durch das kompakte Zentrum mit besonderem Augenmerk auf Beethoven führen wird. Wir trafen sie direkt vor dem alten Rathaus auf dem Marktplatz. Ein wunderschönes Gebäude aus der ersten Hälfte des 1700. Jahrhunderts, in dem uns wohlgemerkt "Ludwig van Beethoven höchstpersönlich" empfangen hat. Im Laufe der Jahrhunderte haben viele berühmte Gäste dieses vom Architekten Michel Leveilly entworfene Gebäude besucht. Präsidenten (De Gaulle, John F. Kennedy), Könige und Königinnen, Kaiser, Politiker und Weltstars in Musik und Sport.

Hauptstadt

Bonn war ab 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland. Als erster Bundespräsident trat Theodor Heuss am 12. September 1949 auf den Stufen des Rathauses vor den Bürgern der Stadt auf. Nach der deutschen Wiedervereinigung (1990) zogen Bundesregierung und Bundestag 1999 zum Entsetzen der Bonner Bürger nach Berlin.

Zu Beethovens Zeiten hatte Bonn rund 10.000 Einwohner. In jungen Jahren reiste der Komponist zweimal nach Wien: einmal, um Unterricht bei dem vierzehnjährigen Mozart zu nehmen, der unseres Wissens nie verwirklicht wurde, und einmal, um bei Haydn zu lernen. Diese Reise war erfolgreicher.

Am Markt in Bonn gibt es jetzt ein Fotogeschäft. Frau Becks: „Zu Beethovens Zeiten war dies ein Haus, in dem junge Leute zusammenkamen, um über Politik und Gesellschaft zu sprechen. Es ging vor allem um den Gegensatz von Absolutismus und Freiheit, wobei Beethoven sehr auf der Seite der Freiheit stand.“ Er würde dies sein ganzes Leben lang tun. Die ehemalige Residenz des Kurfürsten ist in der Bonner Innenstadt sehr gut sichtbar. Es ist heute Sitz der Universität Bonn. 1 von 10 Einwohnern sind hier Studenten. Das Gebäude wurde Anfang des 1700. Jahrhunderts erbaut, wurde 1818 Universität und brannte 1777 und 1944 ab, danach wurde es immer wieder neu aufgebaut. Becks: „Die Alliierten wollten 1944 einen neuen Bombentyp erproben: Bonn wurde dafür auserkoren. Das kostete 1500 Einwohnern das Leben.“

Am schönsten in Deutschland

Die Münsterbasilika ist einer der drei Orte in Bonn, an denen der junge Beethoven sein Können an der Orgel unter Beweis stellte. Diese Kirche ist eines der schönsten Bauwerke Deutschlands entlang des Rheins, wo der Übergang von der Romantik zum gotischen Bauen sichtbar ist. Die Ursprünge der Kirche - 3. Jahrhundert n. Chr - lässt sich auf ein christliches Denkmal zweier römischer Offiziere zurückführen: Cassius und Florentius. Diese werden noch heute als Beschützer der Stadt verehrt. Der schöne Kreuzweg aus dem 1100. Jahrhundert ist einzigartig in den Alpen. Im 1300. Jahrhundert wurden in diesem fünftürmigen Gebäude zwei Könige gekrönt.

Franz Liszt

Das Beethoven-Denkmal auf dem Münsterplatz wurde 1845, 10 Jahre nach seinem Tod, enthüllt. Die Finanzierung ist eine besondere Geschichte. Komponistenkollege Frans Liszt, ein Bewunderer Beethovens, spendete nicht nur 000 Franken, sondern gab auch überall Konzerte, deren Erlös in die Schaffung dieser prächtigen Statue floss. 1845 fand auch in Bonn das erste Beethovenfest statt, das bis heute jährlich (August/September) veranstaltet wird.

Alter Friedhof

 am Rande der Innenstadt befindet sich seit 1715 der Alte Friedhof, einst angelegt für "einfache Bewohner, Passanten und Soldaten", später in diesem Jahrhundert zum wichtigsten Friedhof, wo Beethovens Mutter und Robert und Clara Schumann, unter anderen, sind begraben.

Wir beenden den Rundgang in Bonn natürlich im Beethovenhaus, wo 1770 das Baby Ludwig geboren wurde. Dieses Gebäude ist seit 1893 Museum. Aber es ist – es empfängt jährlich mehr als 100 Besucher – auch mehr. Unter diesem Dach befindet sich das größte Beethoven-Archiv der Welt. Einige der aufgrund ihrer Zerbrechlichkeit ständig wechselnden Originalhandschriften werden ebenso der Öffentlichkeit präsentiert wie Instrumente und die berühmten „Hörner“, mit denen der zunehmend taube Beethoven versuchte, seine Umgebung zu verstehen.

Gasthaus im Stiefel

Das Gasthaus im Stiefel liegt fast direkt neben dem Beethovenhaus, wo wir natürlich das Beethoven Laiberl bestellen. Es ist eine rheinische Kartoffelsuppe mit Wurstscheiben und Speck, serviert in einem ausgehöhlten runden Brot. Also isst du Suppe und "pfanne" drauf! Gerade dieses Gericht würde Beethovens Vater hier essen – wenn er so nüchtern wäre. Auch wenn nichts davon zutrifft, ist die Suppe köstlich. (Aber bar bezahlen.) Nach dem Beethoven-Lunch unternehmen wir noch eine Stadtrundfahrt im offenen Doppeldecker. Diese rund zweistündige Tour führt uns an allen wichtigen Orten in Bonn vorbei. Aus den Lautsprechern erklingen zwischen den Erläuterungen Stücke aus verschiedenen Beethoven-Symphonien. Gegen Ende der Fahrt übersieht der Fahrer einen geparkten Elektroroller, der Lenker schlägt ein Loch in die Seitenwand des Busses. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Naturliebhaber

Beethoven war ein großer Naturliebhaber. Er ist viel gelaufen und genau das haben wir uns für den nächsten Tag vorgenommen. Mit dem Rad auf der Fähre überqueren wir den Rhein nach Königswinter. Da ist das schöne Schloss Drachenburg, das gab es übrigens zu Beethovens Zeiten noch nicht. Hier sind wir im Siebengebirge, den sieben Bergen. Das Siebengebirge besteht aus mehr als vierzig Bergen und Hügeln zwischen 320 und 460 Metern Höhe. Es ist ein vulkanisches Gebirge, das vor etwa 25,5 Millionen Jahren entstanden ist. Der größte Teil des Siebengebirges ist Teil des Naturparks Siebengebirge. Das Siebengebirge besteht hauptsächlich aus Wald, aber es gibt auch Landwirtschaft und Weinbau.

Zahnradbahn

Als ich an der Station der Drachenfelsbahn ein echtes Beethoven-Fahrzeug sehe, ändere ich meine Tourpläne: Wir fahren mit Beethoven in der Standseilbahn hoch! Auf dem Weg nach oben steigt die kleine Bahn rund 220 Meter auf 321 Meter an, mit Steigungen von mehr als 20 Prozent. Die Zahnradbahn wurde bereits 1883 gebaut – „aber regelmäßig modernisiert“, ergänzt eine Erklärung auf der Seite beruhigend. Ganz oben steht die Ruine der ehemaligen Burg Drachenfels, die im 1100. Jahrhundert zur Verteidigung von Köln und Bonn erbaut wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zerstörten schwedische Soldaten die Burg. Von dieser Stelle hat man einen fantastischen Blick auf den Rhein und wir können sogar die Campingplätze Genienau und Siebengebirgsblick sehen.

Wagners „Nibelungen“

Wir entscheiden uns für den Abstieg. Dabei kommen wir an der Nibelungenhalle vorbei, einer 1913 erbauten Spätjugendstil-Kuppel, die an den 100. Geburtstag Richard Wagners erinnert. Im Inneren sind zwölf große Gemälde von Hermann Hendrich zu sehen. Die Gemälde erzählen die Geschichten des „Rings der Nibelungen“. Das sind Wagners vier Opern Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. 1933, im 50. Todesjahr Richard Wagners, wurde die Drachenhöhle eröffnet. Hier ist ein dreizehn Meter langer Steindrache am Rande eines kleinen Sees zu sehen. Das Tier ist komplett mit Moos bewachsen.

Reisen und Musik

Zwei Tage mit Beethoven reichen bei weitem nicht aus, um alles zu sehen. In unserem Wohnmobil hören wir heutzutage nur noch Beethoven. Reisen und Musik: Was für eine tolle Kombination! Wir hoffen dieses Jahr eine Reise mit Anton Bruckner und Johannes Brahms verbinden zu können.

Mit Dank an Tourismus NRW (Land Nordrhein-Westfalen und Tourismusverband Bonn).

Übernachtung: Campingplatz Genienau, Bonn.

 

Text und Foto: Willem Laros

Lassen Sie sich Trinkgeld geben

Registrieren Sie sich hier und erhalten Sie Informationen, wenn wir noch spannenderes Lesematerial veröffentlichen.